Statement zur aktuellen Thematik "Eingeschränkter Regelbetrieb in den Kindertagesstätten des Amtes Wachsenburg" und zum offenen Brief des Teams der Kita "Pfiffikus"

Sehr geehrtes Team der Kindertagesstätte „Pfiffikus“,
sehr geehrte Leiterinnen der Kindertagesstätten der Gemeinde Amt Wachsenburg,
sehr geehrte Pädagoginnen und Pädagogen aller Kindertagesstätten der Gemeinde Amt Wachsenburg,
sehr geehrte Eltern,

als Gemeinderäte, Ortsteilbürgermeister und betroffene Eltern nehmen wir die aktuelle Diskussion um die Problematik des eingeschränkten Regelbetriebs sowie die Sorgen der Mitarbeiter und Eltern in unseren Kindergärten mit großer Aufmerksamkeit wahr, und möchten Ihnen hier unsere Sichtweise darlegen.

Nach unserer Auffassung, ging es den Eltern bei dieser Unterschriftensammlung darum ihre Ängste und Nöte in der Corona Krise darzustellen. Die Herausforderungen zu benennen, mit denen sie täglich zu tun haben und mit denen sie bei Umsetzung des Wechselmodels und der verkürzten Öffnungszeiten noch zu kämpfen haben. Die Akzeptanz der Arbeitgeber gegenüber den Eltern sinkt, wodurch diese den Spagat zwischen Beruf und Familie als existenzbedrohend empfinden. Zudem wurden Lösungen aufgezeigt und Ideen benannt, wie man allen Seiten gerechter werden kann.

Jetzt zu sagen, dass die Eltern kein Vertrauen in die Pädagogen haben, ist wie ein Schlag ins Gesicht für viele Eltern.  

Wir können nicht aus Überzeugung feststellen, dass vom Gemeinderat, vom Bürgermeister, von der verantwortlichen Mitarbeiterin der Verwaltung oder von den Leitungen der Einrichtungen alles Menschenmögliche getan wird, um unseren Kindern und deren Eltern das wirklich Machbare an Hilfe zu Teil werden zu lassen. Aktuell diskutiert wird eine Erhöhung der Kita-Beiträge und die Frage, ob die Beiträge zukünftig noch inklusive dem Mittagessen sein sollen oder eine Extraabrechnung erfolgen soll. Diskutiert werden sollte stattdessen, was Bürgermeister, Gemeinderat und alle Beteiligten tun können, um den Eltern in der aktuellen Not helfen zu können, ihre Kinder wieder in Vollzeit betreuen zu lassen.

Auf unser Erbitten wurde in der letzten Infoveranstaltung für den Gemeinderat am 18.5.2020 diese Fragen zwar andiskutiert, aber nicht wirklich angegangen. Die Aussagen des Bürgermeisters waren identisch mit den Aussagen in dem Zeitungsartikel eine Woche später. „Man suche nach Lösungen“. Es gab eine Menge Phrasen zu hören, aber keine Lösungsansätze. Unsere Bitte, die Leiterinnen der Einrichtungen zu dieser Veranstaltung kurzfristig einzuladen, dementierte Herr Möller damit, dass solch ein Gremium diese Thematik nicht zielführend diskutieren könne, und gab sein Desinteresse damit offen kund.

Dies wirft natürlich auch weitere Themen auf, zum Beispiel:

Warum wird der Neubau des zweiten Kindergartens am Schwimmbad in Ichtershausen immer wieder verschoben und sogar infrage gestellt? Aus unserer Sicht hätte er bereits fertig sein sollen. Damit wären alle Platzprobleme wegen der Abstandsregeln bereits gelöst. Die permanente Überbelegung und das ewige „Anstückeln“ an dieser ohnehin größten Einrichtung im Kreis kann doch nicht die Dauerlösung sein und schafft uns gerade jetzt das größte Problem in Hinsicht der Abstandsregeln.

Warum wurde kein Konzept entwickelt, wie man alle öffentlichen Einrichtungen wie den Saal, das Sportzentrum, die Gemeindehäuser usw. nutzen oder im Zweifel auch eine Containerlösung schaffen kann, um eine 100-prozentige Betreuung zu ermöglichen? Die Zeit dafür war da.

Warum wird an den Elternvertretern vorbei entschieden und sind diese nicht in die Entscheidungen einbezogen?

Wie ist es möglich, dass der Gemeinderat zusätzliche Planstellen für Erzieher bereitstellt und dann Personalmangel besteht, inklusive einer überdurchschnittlichen Personalfluktuation?

Arnstadt schafft aus dem Stand eine 90-prozentige Versorgung. Warum bieten wir nur eine 50-prozentige Versorgung an, wenn jetzt schon 60 Prozent möglich wären? Ist es Bequemlichkeit oder werden hier die Sorgen und Nöte der Eltern nicht richtig eingeordnet?

Was sollen die Eltern mit Öffnungszeiten von 7.30 bis 14.30 Uhr alle zwei Wochen anfangen? Damit kann man nicht einmal Teilzeit arbeiten. Warum werden nicht unter Zuhilfenahme von Personalreserven, von zusätzlichen Leihkräften, im Zweifel auch von zusätzlichen Teilzeitjobs oder Muttis zusätzliche Gruppen in zusätzlichen Räumen aufgemacht, um die Situation bestmöglich zu überbrücken?

Unser Eindruck ist, dass weder die Mehrheit im Gemeinderat, noch der Bürgermeister und auch nicht die leitenden Verantwortlichen den Ernst der Lage aus Sicht der Eltern verstanden haben, sich mehr oder weniger hinter Ausreden verstecken und dann auch noch lieber diskutieren, um wie viel sich die Beiträge zur Sanierung des Haushaltes auch noch erhöhen lassen! Andere Gemeinden machen uns vor, wie es besser geht.

Der Gemeinderat hatte einmal die Bildung einer Kita-Arbeitsgruppe beschlossen, um ein besseres Miteinander des Gemeinderates mit den Kindergärten zu entwickeln. Warum wird die Umsetzung dieses Beschlusses vom Bürgermeister verhindert? Wäre diese AG nicht gerade jetzt so verdammt wichtig?

Aus unserer Sicht sind die bestehenden Probleme, die aktuellen wie auch die langfristigen, nicht zwangsläufig und unvermeidbar, sondern das Ergebnis von jahrelangem Desinteresse und Aufschiebens der Entscheider, allen voran vom Bürgermeister und der Mehrheit der Gemeinderäte, immer gut versteckt hinter geschickt formulierten Ausreden.

Alle aktuellen Probleme wären im Interesse unserer Eltern und Kinder lösbar, wenn es endlich möglich wäre, sich zusammen zu raufen und die Probleme anzugehen.

Die Gemeinde, der Bürgermeister, die angestellten Mitarbeiter und dabei allen voran die leitenden Mitarbeiter und die Gemeinderäte sollten sich endlich als Dienstleister für Ihre Bürger verstehen! Aus dieser Perspektive betrachtet dürfte die Entwicklung von Lösungen im Interesse unserer Eltern und deren Kinder doch zügig machbar sein.

Der Bürgermeister, die Kitaleitung, der Ältestenrat und die Elternvertreter sollten sich dafür schleunigst zusammensetzen.

Dies war bereits unser Anliegen am 18.05.2020  gegenüber dem Bürgermeister.

Wir schätzen die Arbeit und den Einsatz unserer Pädagoginnen und Pädagogen sehr und wünschen uns in solch einer besonderen Zeit die volle Leistungsbereitschaft dieser. Um dies zu ermöglichen werden wir auf kommunalpolitischer Ebene gegenüber den Entscheidungsträgern alles Mögliche versuchen um konstruktiv, in Sinne unserer Kinder, Eltern und Pädagogen, eine Lösung herbeizuführen.

In diesem Sinne allen ein erholsames Pfingstfest wünscht Ihnen,

die Fraktion SSB - Freie Wachsenburger,

Markus Quester von B90 / Die Grünen und

Anika Reise als fraktionslose Gemeinderätin.